Mit der Transsib (nochmals) zum Baikal


Nach meiner ersten Tour zum Baikal im Jahr 2010 wollte ein Teil der Trainingsgruppe ebenfalls mit der Transsibirischen Eisenbahn zum Baikal.
Also setzte ich mich an den Computer und organisierte. Das Ergebnis war eine tolle Fahrt mit der Bahn über 5.194 km.



Roland, Mike und Uwe haben sich für das Abenteuer Transsibirische Eisenbahn und Baikal entschieden. Ich habe mich noch einmal angeschlossen und die ganze Tour in Zusammenarbeit mit Sibirskaja-Reisen organisiert. Die Vorgaben kamen von unserer Seite, umgesetzt wurde das ganze durch Herrn Führer vom o.g. Veranstalter. Für die Planung, Beratung und Organisation nochmals vielen Dank. Von Flug, Visum, Zugbuchung über Transfers und Unterkunft war aller super organisiert.

Am 13.06.2013 ging es endlich los. Am Vorabend ist Roland von seinem Sohn Constantin nach Magdeburg gebracht worden. Nach einem abendlichen Treffen mit Freunden ging es endlich los.

Constantin hat Roland, Uwe, Mike und mich nach Berlin Tegel gebracht. Abfahrt in Magdeburg war 7:15 Uhr. Ohne Probleme kamen wir am Flughafen an. Um 11:35 Uhr hob die Maschine gen Moskau - Domodedowo ab. Nach einem ruhigen Flug landeten wir um ca. 16:00 Uhr Moskauer Zeit. Nach einer kurzen Zoll- und Passkontrolle konnten wir uns um die Weiterfahrt zum Bahnhof kümmern.

Nachdem wir den Zoll mit unserem Gepäck verlassen hatten wurden wir sofort von Taxifahrern oder deren Schleppern umlagert. Die Angebote überschlugen sich. Obwohl wir uns eigentlich schon im Vorfeld für den Aeroexpress und die Metro entschieden hatten änderten wir unsere Meinung und entschieden uns für das Abenteuer Taxi ( 2.000 Rubel).

Nach einer abenteuerlichen Fahrt durch Moskau kamen wir gegen 17:30 Uhr am Jaroslawler Bahnhof an.


Auf diesem Bahnhof beginnt und endet die Strecke der Transsib.


Hier hat sich in den letzten 3 Jahren einiges geändert. Sicherheitskräfte an allen Ecken, die fliegenden Händler und auch die vielen Obdachlosen waren verschwunden.

Wir kümmerten uns erst einmal um den Reiseproviant - Brot, Wurst und landestypische Getränke. Danach suchten wir ein ruhiges Plätzchen und kosteten das Moskauer Bier.

Der Zug wurde ca. 20:30 Uhr bereitgestellt. Schnell wurde das Abteil bezogen. Der Wagen war nur zu ca. 30% belegt. Die Prowodniza (Begleiterin im Wagen) war ein richtiger “Feldwebel” - unnahbar, jedenfalls am ersten Tag. Nach Abfahrt des Zuges stellte sich heraus, dass die Klimaanlage nicht richtig funktionierte und sich auch die Fenster nicht öffnen ließen.

Wir richteten uns im Abteil ein, kosteten den ersten Tee und ließen Moskau und Umgebung an uns vorbeiziehen.

Jetzt erfolgte erst einmal das Studium des Fahrplanes (alle Zeiten beziehen sich auf Moskau).

Bei fast allen Aufenthalten bestand die Möglichkeiten zum Einkauf, entweder an Kiosken oder bei fliegenden Händlern. Die Händler hatten hausgemachte russische Spezialitäten im Angebot: Piroggen, Würstchen im Teigmantel, geräucherten Fisch u.a. Wir machten davon kräftig Gebrauch. Unsere Verpflegung im Zug war sehr abwechslungsreich: Es gab Fisch, Wust und jeden Abend pro Person nur eine Flasche* Bier! Zwischenzeitlich bewunderten wir die vorbeiziehende, unendliche Landschaft.

* In Russland ist alles etwas größer - auch die (großen) Bierflaschen - 2,5 Ltr.

Nach etwas mehr als 3 Tagen Zugfahrt kamen wir pünktlich um 4:47 Uhr Ortszeit in Irkutsk an. Jewgeni stand schon mit einem Schild “Rolle” bereit um uns mit seinem Auto nach Listwjanka zu bringen. Übrigens sind gut die Hälfte aller Autos in der Gegend von Irkutsk “Rechtslenker”. Anfangs wollte ich immer auf der Fahrerseite einsteigen. Nach etwas mehr als einer Stunde Fahrzeit kamen wir dann in unserem Quartier in Listwjanka an. Wir sind bei Nikolai untergekommen. Ein Gästehaus mit 14 Zimmern und Familienanschluss.

Nach 3 Tagen Katzenwäsche im Zug war erst einmal eine Dusche dringend erforderlich. Danach erstmal Frühstück. Mike und Roland brauchten erst einmal etwas Ruhe. Mit Uwe machte ich mich gleich nach dem Frühstück auf die erste Erkundungstour Richtung Baikal, nur in T-Shirt und Shorts. Direkt am Baikalufer war empfindlich kühl, die Einheimischen trugen am Morgen (7:30 Uhr) Jacken!

Achtung: Der Baikal heißt Baikal, und wird auf keinen Fall Baikalsee genannt. Für die einheimischen ist der Baikal ein heiliges Meer!

Nachdem Mike und Roland aus Ihrem Dornröschenschlaf erwacht waren, gingen wir gemeinsam auf Nahrungssuche. Erstmals wurden wir auf dem Rynok (Markt) fündig. Frisch geräucherter Omul und Schaschlik für Uwe. Dazu gab es Brot und ... kein Bier!

Nachdem wir den erkundet hatten ging es am frühen Abend mit Nikolai in die Banja. Die Banja besteht aus 3 Räumen: Erholungsraum, Waschraum und Schwitz/Dampfraum. Wir wurden durch Nikolai so richtig in die Rituale der Banja eingewiesen, Aufwärmen, Abschrecken, Erholen u.s.w. Das wichtigste ist aber das “abschlagen”, also sich selbst oder gegenseitig mit Bündeln von eingeweichten Birkenzweigen, auf russisch Wenik, den Körper abzuschlagen, was angenehm erfrischt und die Blutzirkulation anregt. Man kann auch sagen, man schlägt sich und andere. Danach gab es im Freien Abendessen.

Am folgenden Tag ging es mit dem Tragflächenboot nach Bolschie Koty, einem alten Dorf am Ufer des Baikal.

Hier gab es außer alten Häusern und wenigen neuen Häusern nicht viel zu sehen. Also suchten wir uns einen Platz für das Bad im Baikal. Das war nicht so einfach. Im Uferbereich überall Algen und steil abfallendes Ufer. Schließlich wurden wir fündig und konnten Baden. Übrigens ist der Baikal im Norden noch mit bis zu 20 cm Eis bedeckt und für die Schifffahrt nicht freigeben. Wassertemperatur bei uns - ca. 6°C! Es war doch nicht so schlimm!

Das Bad im Baikal war der Höhepunkt der Reise - nur deshalb sind wir eigentlich dorthin gefahren!

Am letzten Tag ging es über Talzy nach Irkutsk. In Talzy machten wir Station. Hier wurden uralte Häuser und Höfe aus ganz Sibirien zusammengetragen. Sehr interessant. Bei diesem Ausflug begleitete uns eine sehr nette und auch sehr kundige Dolmetscherin - Julia.

Am Nachmittag erkundeten wir dann Irkutsk. Das war recht einfach. Unsere Unterkunft, eine Privatwohnung, lag im Zentrum in der Nähe des Hotels “Angara”. Da kannte ich mich noch aus, war ja schon 2010 in Irkutsk gewesen. Probleme machte nur das Wetter - 40°C noch am Abend.

Also auf in Richtung Rynok (Markt), das ist mal etwas ganz anderes für Mitteleuropäer. Eine Art Supermarkt, in dem es alles gibt - nur eben in kleinen Marktständen und Geschäften.


Nach diesem Rundgang, vor allem bei der Hitze hatten wir uns eine Abkühlung verdient.


Am 20.06.2013 ging es am Morgen zum Flugplatz. Über Moskau ging der Flug nach Berlin - Tegel.
Lange Schlange, ca. 100 m, vor dem Einschecken in Irkutsk. In Moskau das übliche Durcheinander bei der Zollkontrolle. Dann hatten wir 4 Stunden Wartezeit. Pünktliche Landung in Berlin. Constantin holte uns ab und Brachte uns nach Barleben. Hier holte uns Loni ab. Roland und Constantin führen weiter in Richtung Mannheim.

Für uns war das Abenteuer “Mit der Transsib zum Baikal” damit beendet.